Ring-Café Finsterwalde
Blog-Archiv 2013 - Ring-Café Finsterwalde
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Archiv für 2013

Hier finden Sie die Blog-Einträge aus dem Jahr 2013. Viel Spaß beim Lesen!

Sammlungsstück: Ladenröster

Sammlungsstück No. 9 - LadenrösterEisen, Blech, Metall, 110 x 116 x 68 cm, um 1920

Donnerstag, 28.11. - Ende 1906 eröffnete im Erdgeschoss des Kaufmannshauses "Ad. Bauer's Wwe." die "Erste Finsterwalder Dampf-Kaffeerösterei mit Motorbetrieb". Das bereits reichhaltige Warensortiment wurde dadurch noch zusätzlich erweitert. In einem Seitenflügel wurde zu diesem Zweck ein sog. Ladenröster betrieben. Die rohen Kaffeebohnen wurden aus dem Warenspeicher im hinteren Teil des Hauses geholt, in dem sie zwischengelagert worden waren. Zahlreiche Anzeigen im Niederlausitzer Anzeiger warben für "feinste" Kaffee-Mischungen und "frische geröstete Kaffee's in bekannter Güte".

Seit etwa 1890 waren sog. Schnellröster für gewerbliche Mengen erhältlich, die entweder mit Gas oder Koks beheizt wurden. Das Heizelement befand sich unter bzw. neben der zylinderförmigen Rösttrommel. Durch eine gleichmäßige Wärmezufuhr konnten die bis dahin erforderlichen Röstenzeiten von 45-60 Minuten auf 20-30 Minuten deutlich verringert werden. Wegen des beschleunigten Röstprozess musste aber der anschließenden Kühlung der Bohnen eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dies geschah durch runde Kühlsiebe, die mit dem Auswurf des frisch gerösteten Kaffee verbunden waren und ihn zum Auskühlen gleichmäßig bewegten.

Die Entwicklung der Kaffeeröstmaschinen in Deutschland ist im Wesentlichen von der Firma PROBAT in Emmerich/Rhein geprägt worden (Museum für Kaffeetechnik). Der vorhandene Ladenröster stammt aus einem ehemaligen Kolonialwarenladen in Bad Liebenwerda. Hersteller ist die Brandenburger Firma Monopol. Der Röster eignet sich für ca. 20 kg Rohkaffee pro Röstvorgang. Ein baugleiches Gerät der Firma Friko-Maschinenfabrik, Sindelfingen, aus dem Jahre 1927 befindet sich in dem Standardwerk "Coffee Floats, Tea Sinks" von Ian Bersten.

Zum zweiten Buch treiben lassen

Sonntag, 10.11. - Das gestrige Stadtgespräch mit der bekannten radioeins-Radiomoderatorin Marion Brasch wird den Besuchern wohl in vielerlei Hinsicht in Erinnerung bleiben. Zunächst brauchte es ein wenig Glück, um in den letzten Tagen vor der Veranstaltung überhaupt noch einen der begehrten Plätze reservieren zu können. Ein Beitrag der Lausitzer Rundschau hatte die Nachfrage noch zusätzlich erhöht. 78 Besucher nahmen die drangvolle Enge an der alten Ladentheke von "Ad. Bauer’s Wwe." aber gerne in Kauf, um Brasch bei der Lesung aus ihrem Buch "Ab jetzt ist Ruhe" zu erleben; darunter zahlreiche Gäste, die sie über viele Jahre nur aus dem Radio kannten.

Marion Brasch, 2013Manch einer hatte sicherlich seine eigene Vorstellung von der Moderatorin mitgebracht, die eher zierlich sowie ganz leger in Jeans und Chucks nach Finsterwalde kam. Etwa eine Stunde las sie mit gewohnter Leichtigkeit aus ihrem Buch über eine Familie, die es so gar nicht mehr gibt. Der Epilog des Buches endet mit einem Besuch an den Gräbern ihrer Eltern und Brüder, die auf drei Berliner Friedhöfen verteilt liegen.

Neben der Schilderung der eigenen Jugend, familiärer Spannungen und der ausgeprägten Dogmatik ihres Vaters durfte auch viel geschmunzelt werden. Entweder als Brasch in gepflegtem Berliner Dialekt von ihren ersten Tagen als Schriftsetzerlehrling in der Druckerei den "Neuen Deutschland" plauderte oder gleich zu Beginn, als sie berichtete, wie sie von zu Hause im Alter von vier Jahren "getürmt" war und am Alexanderplatz in einem Süsswarenladen auf der kostenlosen Herausgabe einer Tüte mit Schokolinsen bestand. Das war natürlich ein willkommener Anlass, ihr schon während der einführenden Worte eine Tüte Schokolinsen zu überreichen. Als kleine Überraschung erhielten alle anderen Gäste am Ende der Veranstaltung ebenfalls eine Tüte.

Einen Großteil ihres Lebens hat sie sich einfach treiben lassen, sagt Marion Brasch und wirkt dabei sichtlich zufrieden. Um dann im nächsten Augenblick selbst eine Überraschung parat zu haben. Da verrät sie dem Publikum, dass sie erst eine Woche zuvor das Manuskript ihres zweiten Romans fertiggestellt hat. "Diesmal ist alles ausgedacht, nichts Biografisches", sagte sie, nennt aber leider keine weiteren Details. Das Buch wird voraussichtlich im nächsten Herbst erscheinen. Vermutlich war Marion Brasch bereits längst wieder zurück in Berlin, als die letzten Gäste nach einem fröhlichen Ausklang gegen Mitternacht das 110-jährige Kaufmannshaus verließen. Darunter auch zahlreiche Gäste, die erstmals zu Besuch waren. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen beim 22. Finsterwalder Stadtgespräch mit dem Schriftsteller Wladimir Kaminer im Juni 2014!

Lesen Sie mehr über die Veranstaltung: Lausitzer Rundschau », Stadt Finsterwalde »

Sammlungsstück: Hoher Hamburger

Sammlungsstück No. 8 - Hoher HamburgerEisen, Glas, 22 x 44 cm, um 1930

Donnerstag, 03.10. - Große Kinderaugen werden einst begehrliche Blicke auf diese Glaskugel geworfen haben. Vermutlich wegen ihres Inhaltes, weniger wegen der schönen Form. Doch diese hatte es in sich: Bei Einwurf von 10 (Reichs-) Pfennig und einer Rechtsdrehung wurde eine kleine Handvoll von Haselnüssen aus der seitlichen Klappe im Sockel geworfen. Alles rein mechanisch und sehr stabil.

Vorbilder dieser "stillen Verkäufer" stammten aus den USA, wo in kleinen Tischgeräten Bücher, Zigarren, Zündhölzer oder andere Waren angeboten wurden. In Deutschland orientierten sich die Hersteller von Warenautomaten stark an den amerikanischen Vorlagen. Die Geräte wurden u.a. von den Firmen Gebrüder Paetz (Magdeburg), Treff-Automaten (Berlin) und Heinrich Brunswig (Hamburg) hergestellt. Von Brunswig stammt das vorhandene Sammlungsstück, welches eventuell wegen seiner schlanken Form den Namen "Hoher Hamburger" trug. 1928 hatte die Firma den ersten Nussautomaten in Europa hergestellt.

Zahlreiche münzbetriebene Automaten sind 1889 auf einer Hamburger Gewerbeausstellung vorgestellt worden. Den ersten selbstverkaufenden Schokoladenautomaten baute bereits ein Jahr zuvor die Firma Stollwerck. Neben dem großen Verkaufserfolg waren solche Warenselbstverkäufer jedoch auch umstritten. Insbesondere Kleinhändler fürchteten die aufkommende Konkurrenz. Schließlich wurde in der Gewerbeordnung geregelt, daß Ladenschlusszeiten auch für Automaten galten. Ein Video des Deutschen Automatenmuseums (DAM) in Espelkamp lädt zu einen kurzen Rundgang durch die Automatengeschichte ein.

Denkmaltag 2013: Ungewöhnliche Einsichten

Sonntag, 15.09. - Es dauerte nicht lange bis die Teilnehmer der Führung eine Brille trugen und gemeinsam auf die Stellwände schauten. Nach einen kurzen historischen Einführung in die Welt der Stereofotografie und -Betrachtung gab der Finsterwalder Sammler und Fotograf Jürgen Schlinger den Besuchern schnell die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu sammeln.

Als Märchen-Figuren angemalte Modells im 3D-Bild des Straßenmalers Gregor Wosik auf dem Finsterwalder Marktplatz
Hinweis: Zur Ansicht wird
eine Anaglyphenbrille
(rot-cyan) benötigt

Dies geschah mit einer sogenannten Anaglyphen-Brille und Fotos, die sich für eine räumliche Betrachtung ganz besonders anbieten: Dem großen Straßenbild auf dem Finsterwalder Marktplatz, in dem Modells als Märchen-Figuren posierten. Im Mai war dort das größte 3D-Straßenbild Brandenburgs durch den bekannten Straßenmaler Gregor Wosik und weiterer Künstler entstanden. Schlinger hatte es in fast 20 beeindruckenden Bildern mit seiner digitalen 3D-Kamera festgehalten. Dies gab dem Besucher ganz ungewöhnliche Einblicke. 

Besucher betrachten interessiert die 3D-Ausstellung des Finsterwalder Sammlers und Fotografen Jürgen Schlinger 

In diesem Jahr fanden am "Tag des offenen Denkmals" etwas über 160 Besuchern ihren Weg in das ehemalige Kaufmannshaus von Adolf Bauer's Witwe. Erstmals erfolgte die offizielle Eröffnung des Denkmaltages in Finsterwalde im Innenhof durch den Finsterwalder Bürgermeister Jörg Gampe. Anlass für uns, auf das 110-jährige Jubiläum des schönen Jugendstilhauses hinzuweisen, dessen Bau und wechselvolle Geschichte im Jahre 1903 begann. Vor 13 Jahren ging die Initiative zur Teilnahme der Stadt Finsterwalde am bundes- und europaweiten Denkmaltag von hier aus.

Einziges Sammlungsstück war zu dieser Zeit die erhalten gebliebene originale, sieben Meter lange Ladentheke. In über einem Jahrzehnt sind mit viel Aufwand und Zeit weitere Ausstellungsräume und Sammlungsstücke dazugekommen. Entstanden ist ein kleines privaten Museum, das mit den "Finsterwalder Stadgesprächen" die Tradition des bürgerlichen Salons wieder aufgegriffen hat, wie der Schriftsteller Hellmuth Karasek erst im Frühjahr sagte. Bericht der Lausitzer Rundschau zur Eröffnung hier ».

Zum Denkmaltag hatte sich auch eine etwa 25-köpfige Reisegruppe der URANIA aus Potsdam angesagt. Finsterwalde bildete an diesem Tag ihre erste Station zur Besichtigung kleinerer Denkmäler im Landkreis Elbe-Elster. Die Gruppe war vor allem wegen der Besichtigung der Ladentheke, der Kaffeeröstmaschinen sowie des Lastenaufzuges gekommen; und verließ das Haus am Ende mit Worten ihrer Leiterin Prof. Karin Flegel "erstaunt, begeistert und ermutigt, sich mit Leidenschaft einer schönen Sache hinzugeben". Herzlichen Dank!

Sammlungsstück: Le Glyphoscope - Typ No. 1

Sammlungsstück No. 7 - Le Glyphoscope - Typ No. 1Schwarz getöntes Messing, Glas, 13,5 x 6 x 8 cm, um 1905

Samstag, 24.08. - Ein Foto aus dem Jahr 1919 zeigt eine Frau in einem hellen Kleid und einer Kopfbedeckung. Offensichtlich etwas skeptisch betrachtet sie ein kleines, dunkles Kästchen, welches sie mit beiden Händen festhält. Sicher ist, dass es sich bei der Frau um die belgische Königin Elisabeth handelt. Lediglich überliefert ist dagegen, dass das kleine Kästchen ein Stereofotoapparat vom Typ "Le Glyphoscope" des Franzosen Jules Richard war.

In jedem Fall aber ist die Aufnahme der Königin selbst ein Stereofoto und ein Beleg dafür, dass die Stereofotografie keine Erfindung des späten 20. Jahrhunderts ist. Bereits 1860 kamen die ersten Stereokameras auf den Markt. Bald darauf waren Trockenplatten und Rollfilme erhältlich, wodurch sich das mitzuführende Zubehör für den Fotografen deutlich reduzierte. Den Durchbruch für Amateurfotografen leistete schließlich Jules Richard mit der kleinen und handlichen Kamera »Vérascope«. Wurde die Verschlusseinheit entfernt, konnte das Gerät zusätzlich als Betrachter von Stereodias dienen.

Die erst seit kurzem in unserer Sammlung befindliche Stereokamera »Le Glyphoscope« wurde ebenfalls von Richard entwickelt und ab 1905 in verschiedenen Modellen hergestellt. Sie besaß die gleichen Eigenschaften wie seine erste Kamera, war aber einfacher aufgebaut und preiswerter. Insgesamt wurden weltweit etwa 68.000 »Le Glyphoscope« verkauft.

Denkmaltag 2013: In Stereo sieht man besser

StereobetrachterSamstag, 10.08. - Gestern erreichte uns die überraschende Anfrage vom Finsterwalder Kultur- und Stadtmarketing, ob die diesjährige offizielle Eröffnung des "Tag des offenen Denkmals" am 08.09. in unserem Innenhof stattfinden könne. Die Vorbereitungen zum Denkmaltag waren bereits seit mehreren Wochen angelaufen, und so fiel die Antwort entsprechend leicht. 13 Jahre nach dem die Initiative zur Beteiligung Finsterwaldes an dem europaweiten Tag von unserem Haus ausgegangen war, freut es uns sehr, die Eröffnungsfeier diesmal selbst ausrichten zu dürfen.

In diesem Jahr dreht sich im alten Kaufmannshaus "Ad. Bauer's Wwe." und dem dazugehörigen Ring-Café alles um die Stereografie und den Umgang mit einem eher unbequemen Erbe. Damit findet die enge Zusammenarbeit mit dem Sammler und Fotografen Jürgen Schlinger aus dem Vorjahr erfreulicherweise eine Fortsetzung. Anläßlich des größten 3D-Straßenbildes Brandenburgs von Gregor Wosik auf dem Finsterwalder Marktplatz im Mai und den farbenfroh als Märchen-Figuren bemalten Modells wird mit der Stereografie nun ein weiterer Schwerpunkt in seiner bestehenden Ausstellung gesetzt. Zahlreiche Raumbildverfahren werden vorgestellt und können selbstverständlich auch wieder von den Besuchern ausprobiert werden.

Den Höhepunkt bilden die von Schlinger gemachten 3D-Fotografieren des Straßenbildes sowie der Märchen-Figuren. Diese Fotografien werden jetzt erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! mehr »

Sammlungsstück: Kaviar-Dose

Sammlungsstück No. 6 - Kaviar-DoseBlech, Porzellan, 8 x 4,5 x 8 cm, um 1930

Sonntag, 30.06. - Ohne Deckel wird dieses Sammlungsstück auf Nachfrage häufig als Schuhputzcreme-Dose erkannt. Mit Deckel ist das Rätsel dann aber schnell gelöst: Es handelt sich um eine Dose für "Feinsten Kaviar". Und gleichzeitig ist es das letzte erhalten gebliebene Inventarstück des Geschäftes "Ad. Bauer's Wwe.".

Was zunächst etwas überrascht, erklärt sich bei einem Blick in die zahlreichen Inserate des Geschäftes im Niederlausitzer Anzeiger. "Im Jahr 1900 müssen die Geschäfte [...] besonders gut gegangen sein, denn mit Jahresbeginn schwoll die Anzahl der Inserate ganz erheblich an." So wurde für "Neue Vollheringe" und dem Magarine ähnlichem Kunstfett "Vitello" geworben. Nach dem Neubau des Wohn- und Geschäftshauses im Jahr 1903 sowie einem weiterem Aufschwung in 20er Jahren erhielt ein Teil der Fassade im Herbst 1932 ein neues Gesicht. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch die Kaviar-Dose.

In Deutschland war der sog. "Preß-Kaviar" am verbreitesten. Doch Kaviar war besonders leicht verderblich und musste daher umgehend abgefüllt werden. Hierfür wurden sog. Stülpdeckeldosen verwendet. Meersalz sorgte für die Konservierung, ein breiter Gummiring für eine luftdichte Verpackung. Von der Rogenentnahme bis zum Verschließen vergingen maximal etwa zwölf Minuten. Kaviar erforderte eine konstante Lagertemperatur von -2° Celsius.

Sammlungsstück: Daguerre-Kamera

Sammlungsstück No. 5 - Daguerre-KameraHolz, Metall, Glas, 47,3 x 26,6 x 33,8 cm,
2010 (Nachbau des Originals von 1839)

Sonntag, 26.05. - 1839 wurde von Louis-Jacques-Mandé Daguerre ein Fotoapparat vorgestellt, der äußerlich einer camera obscura ähnelt und eine sog. Schiebekasten-Kamera ist. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, dass es sich um die erste kommerziell hergestellte Kamera der Welt handeln sollte.

Bald darauf wurde die Kamera von dessen Schwager Alphonse Giroux in Paris in geringer Stückzahl gebaut. Den Durchbruch brachte das zuvor von Daguerre zusammen mit Isidore Niépce entwickelte "Daguerreotypie"-Verfahren. Es handelt sich um ein chemisch-physikalisches Verfahren, bei dem das Bild auf einer versilberten Kupferplatte verkleinert wiedergegeben wird. Je nach Betrachtungswinkel erscheint das Bild auf der sich spiegelnden Oberfläche als Negativ oder als Positiv. Diese Bild-Unikate waren äußerst emfindlich, und bereits ihre Herstellung war mit gesundheitlichen Risiken (u.a. wegen Quecksilberdämpfen) verbunden. 

Heute werden in Deutschland nur noch zwei Daguerre-Kameras in Ausstellungen in München und Berlin gezeigt. Zu den ganz besonderen Sammlungsstücken in Finsterwalde gehört daher eine vom Sammler Jürgen Schlinger eigenhändig nachgebaute Kastenkamera.

Humor ist, wenn auch der Autor lacht...

Montag, 06.05. - Kaum, dass die Marimba von Niclas Voigt verklungen war, nahm das zwanzigste Finsterwalder Stadtgespräch seinen Lauf. In lockerem Plauderton spannte der Jubiläumsgast, Hellmuth Karasek, einen bunten Reigen über die Entstehungsgeschichte des Witzes. Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, mit einem Kalauer zu starten, war er doch bei der Anreise aus Berlin ganz in der Nähe der Stadt Calau vorbeigekommen.

Hellmuth Karasek, 2013Der in Hamburg lebende 79-jährige Schriftsteller und Journalist hatte die im März geplante Veranstaltung aufgrund eines Trauerfalls in der Familie kurzfristig absagen müssen. Viele Stammgäste der langjährigen Veranstaltungsreihe ließen es sich aber nicht nehmen, den prominenten Gast an dem neu angesetzten Termin persönlich zu erleben. Ein bisschen kam dabei sogar die Stimmung wie bei einem Klassentreffen auf. Auch Hellmuth Karasek betonte, wie wohl er sich in der für ihn überraschenden Umgebung fühlte. Die etwa 65 Gäste folgten aufmerksam der lockeren Reise durch die verschiedenen Gattungen der Witze: Neben Kalauern, auch Klapphornversen, jüdischen, schwäbischen und politischen Witzen sowie sog. Palindromen. Letztere nutzte Karasek für einen kleinen Exkurs zu politischer Korrektheit.

Natürlich wurden die einzelnen Gattungen mit zahlreichen kurzweiligen Beispielen unterlegt. Oftmals führte dies nicht nur beim Publikum, sondern bei Hellmuth Karasek selbst zu großer Heiterkeit. "Humor ist, wenn man trotzdem lacht", so auch der Titel seines vorgestellten Buches. Während der Schriftsteller am späten Abend bereits auf der Rückfahrt zu seinem Hotel in Berlin war, klang die Jubiläumsveranstaltung in fröhlicher Atmosphäre in kleinen Runden aus.

In der Lausitzer Rundschau ist ein umfassender Rückblick auf die ersten neunzehn Stadtgespräche nachzulesen. mehr »

Sammlungsstück: Kombinierter Gas- und Kohlenherd

Sammlungsstück No. 4 - Kombinierter Gas- und KohlenherdGußeisen mit und ohne Emailüberzug, vernickeltes Eisen, Blech,
126 x 81 x 60 cm, um 1935

Sonntag, 28.04. - Die Fa. Vosswerke AG (heute: VOS Schott GmbH) in Sarstedt südlich von Hannover gehörte zu den renomiertesten Herstellern von Öfen, Kochkesseln, Herden, Waschmaschinen, Heißmangeln. Das Vertriebsnetz der Firma war in der 30er Jahren offenbar so weit ausgebaut, dass sie auch die Eisenwarenhandlung A. Schlesinger in Finsterwalde belieferte. Aus einer Sonderserie entstammt der vorhandene Gas- und Kohlenherd  (Vosswerke Katalog Nr. 32 612 von 1935). Er besitzt einen Gas- und Kohlenbratofen, drei Kohlenkoch- sowie zwei Gas-Kochstellen. Zur Feuerung des Kohlenherdes und des -bratofens können neben Steinkohle auch alle anderen festen Brennstoffe, wie Braunkohlenbriketts, Holz, Torf usw. verwendet werden.

Ein ähnlicher Herd stand im Original bis Anfang der 90er Jahre in der Küche des Kaufmannshauses "Ad. Bauer's Wwe.". Er versorgte nach dem Neubau im Jahre 1903 nicht nur Familie Bauer mit warmem Essen sondern auch die übrigen Angestellten. Hierfür war die Küche im Obergeschoss mit einem darunter liegenden Raum im Erdgeschoss mittels eines Lastenaufzug verbunden.

Beitrag zur IMT-Blogparade 2013: kulturkonsorten.de/blogparade

Verlosung zum Welttag des Buches am 23.04.

Welttag des Buches 2013Montag, 15.04. - „Wir feiern das Lesen - feiern Sie mit!“ - Unter diesem Motto findet am 23. April 2013 auch in diesem Jahr wieder der UNESCO-Welttag des Buches statt. Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken, Schulen und Lesebegeisterte in ganz Deutschland begehen den Tag mit zahlreichen Aktionen. Viele erinnern sich noch an die Aktion im vergangenen Jahr, bei dem 25 verschiedene Buchtitel durch 33.333 Lesefreunde verschenkt wurden.

Leider gibt es die Aktion "Lesefreunde" in diesem Jahr nicht mehr. Dennoch möchten wir gerne ein Buch unter den Lesebegeisterten unseres Blogs verlosen. Es freut uns daher sehr, dass der DuMont-Verlag uns freundlicherweise ein Exemplar des Buches "Nicht ganz schlechte Menschen" von Helmut Krausser zur Verfügung stellt. Hierfür ist lediglich folgende kleine Aufgabe zu erfüllen: Bis zum 22. April ist unten auf dieser Seite ein Kommentar zu hinterlassen, welche Rolle Bücher in Ihrem Leben spielen. Das Buch wird am 23. April unter allen Teilnehmern verlost. Viel Glück!

Zwanzig Stadtgespräche: "Etwas vom Atem der Zeit"

Plakat zum 20. Finsterwalder Stadtgespräch mit Hellmuth KarasekSonntag, 07.04. - In vier Wochen werden die 20. Stadtgespräche in Finsterwalde bereits Geschichte sein. Hellmuth Karasek wird am 4. Mai sein Buch "Soll das ein Witz sein - Humor ist, wenn man trotzdem lacht" vorstellen. Er ist dann der zwanzigste Gast in einer losen Vortragsreihe, die im Oktober 2000 eher spontan entstanden ist. Und doch hat diese Reihe über die Jahre einen festen Platz im kulturellen Leben der Stadt gefunden. Zu den Teilnehmern gehörten zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Literatur und Wissenschaft.

Was ist nun das Besondere an den Stadtgesprächen? Im Wesentlichen die Mischung aus Gästen und räumlicher Athmosphäre. Wohl selten ist der Besucher einem prominenten Gast so nah. Ziel der Vortragsreihe ist es, ausgehend von einem Vortrag bzw. einer Lesung über Vergangenes, Aktuelles oder Zukünftiges, in ein lockeres Gespräch unter und mit den Zuhörern zu kommen. Dabei bildet der alte Warenspeicher des Kaufmannshauses "Ad. Bauer's Wwe." in seiner ihm eigenen, überraschenden Umgebung eine einzigartige Kulisse. Einen fotografischen Rückblick finden Sie hier »

In der Lausitzer Rundschau war vor einiger Zeit ein Rückblick auf die ersten neun Stadtgespräche zu lesen; ein Rückblick auf die danach folgenden zehn Veranstaltungen wird in Kürze folgen. In seinem Grußwort zur 20. Veranstaltung spricht der Schriftsteller Christoph Hein, selbst 2007 zu Gast, von einem bedeutsamen Stück Kultur, das den Bürgern "etwas von dem Atem der Zeit und den Bewegungen der Gesellschaft" vermittelt. Hierüber freuen uns sehr und machen weiter!

Sammlungsstück: Ansichtskarte Gasthof Zschipkau

Sammlungsstück No. 3 - Gasthof Mattik (Vorderseite)Papier, 13,5 x 8,6 cm, um 1920

Sonntag, 24.03. - Eine kurze Episode aus dem Leben des späteren Historikers und Publizisten Golo Mann führte ihn nach Zschipkau (ab 1937 Schipkau). Dort absolvierte er ab Juni 1928 für wenige Monate ein Praktikum bei den Niederlausitzer Kohlenwerken. Vor Beginn des Wintersemesters in Berlin wollte er das Leben und die Arbeit der Menschen in einem Braunkohlenbergwerk kennenlernen.

Sammlungsstück No. 3 - Gasthof Mattik (Rückseite)Golo Mann wohnte im "Gasthof Zschipkau", dessen Inhaber Carl Mattick war. "Der Gasthof Mattick war leicht zu finden. [...] Natürlich war das Leben billig, weil so sehr primitiv. Ich fragte im Dorfladen nach Klosettpapier, zumal es im Gasthof nur alte Zeitungen dafür gab, die Inhaberin antwortete, für so etwas sei hierzulande keine Nachfrage." (Golo Mann: "Erinnerungen und Gedanken", 1986)

Seine Eindrücke schilderte Golo Mann einige Monate später im Berliner "Acht-Uhr-Abendblatt". Der heute weitgehend unbekannte Zeitungsartikel erschien in zwei Folgen im Januar 1929. mehr »

Beitrag zur IMT-Blogparade 2013: kulturkonsorten.de/blogparade

Terminverschiebung der 20. Stadtgespräche

Donnerstag, 21.03. - Leider hat uns die traurige Nachricht erreicht, dass Hellmuth Karasek aufgrund eines familiären Trauerfalls am Sonnabend nicht nach Finsterwalde kommen kann. Er hat für das Wochenende sämtliche Veranstaltungen abgesagt. Wir bedauern das sehr und haben uns ganz besonders auf diese Jubiläumsveranstaltung gefreut. Fieberhaft haben wir versucht, kurzfristig einen Ersatz zu beschaffen und danken ganz besonders Harald Martenstein und Jakob Hein hierbei für ihre freundliche Unterstützung. Einen Ersatz zu finden, war jedoch in der Kürze der Zeit ebenfalls nicht möglich.

Als neuer Termin steht inzwischen Sonnabend, 04. Mai um 19 Uhr fest. Alle bisher erfolgten Anmeldungen behalten selbstverständlich ihre Gültigkeit. Sollten weniger Anmeldungen erfolgen, werde auch zusätzliche Gäste die Möglichkeit zur Teilnahme erhalten.

Sammlungsstück: Zwei Kaffeeflaschen

Sammlungsstück No. 2 - KaffeeflaschenEisenblech mit Emailüberzug, Porzellan, Gummi,
13,5 x 27 x 8 cm und 14,5 x 30 x 8 cm, um 1930

Sonntag, 24.02. - In den ersten Jahren der industriellen Revolution gab es vielerorts noch keine Firmen-Kantinen. So mussten die Arbeiter ihr Essen und ihre Getränke für die körperlich angestrengende Arbeit selbst mitbringen. Für die Frühstückspause waren die oft in Tageszeitungen eingewickelten Butterbrote und die mit einem Bügelverschluß versehenen Kaffeeflaschen gedacht. Die beiden vorhandenen Flaschen besitzen eine ovale Grundform, über die sich das schmale Gefäß aus emailliertem Eisenblech erhebt. Ihren Farben sind grau-blau bzw. rot-braun gehalten. Unterhalb des engen Halses ist ein relativ kleiner Bandhenkel an der Gefäßschulter montiert. Der Bügelverschluss am Hals ist aus Eisendraht sowie Porzellan und schließt mit einem Gummi ab. Für das Mittagessen gab es zusätzlich ein mit einem Tragbügel versehenes Essgeschirr, das aufgrund des Bügels den Beinamen "Henkelmann" erhielt.

Beitrag zur IMT-Blogparade 2013: kulturkonsorten.de/blogparade

Stadtgespräch mit Hellmuth Karasek: Plätze vergeben!

Hellmuth Karasek - Soll das ein Witz sein?Freitag, 08.02. - Die 20. Finsterwalder Stadtgespräche finden zwar erst in einigen Wochen am 23. März statt, die Vorbereitungen hinter den Kulissen laufen jedoch schon seit geraumer Zeit. Inzwischen liegt auch das Angebot für das Buffet mit zahlreichen regionalen Köstlichkeiten vor, die natürlich wieder ihren Platz auf der langen Jugendstilladentheke finden werden.

Alle Sitzplätze sind hingegen reserviert: Zu Jahresbeginn gab es noch einmal einen großen Schwung an Reservierungsanfragen. 70 Reservierungen liegen derzeit vor, wobei sich ein Teil davon bereits auf der Warteliste befindet. Wir werden selbstverständlich versuchen, möglichst vielen davon eine Teilnahme zu ermöglichen. Dadurch kann es auch diesmal wieder etwas enger werden, wofür wir alle Gäste schon jetzt um Verständnis bitten möchten. Weitere Informationen zum Buch von Hellmuth Karasek und einen Link zu einer Lesung in Dresden finden Sie hier ».

Sammlungsstück: Emailreklameschild

Sammlungsstück No. 1 - Emailreklameschild Kaffee HAGBlechschild mit Emailüberzug, 50 x 33 cm, um 1920

Samstag, 05.01. - Für Kaffee wurde schon immer gerne geworben. Eines der bekanntesten Markenzeichen ist das Symbol für den koffeinfreien Kaffee der Firma HAG (Handels-Aktien-Gesellschaft). Der Entwurf stammt von dem Bremer Architekten und Gebrauchskünstler Eduard Scotland (Kürzel ES) und zeigt den Firmen-Schriftzug umgeben von einem roten Rettungsring. Auf dem vorhandenen, gewölbten Emailschild ist zusätzlich ein großes, rotes Herz mit dem Hinweis "Kaffee HAG schont Ihr Herz" abgebildet. Kaffee HAG wurde 1906 in Deutschland erfunden, als Ludwig Roselius entdeckte, wie sich Kaffee entkoffeinieren lässt, ohne dabei den Geschmack und das Aroma zu beeinträchtigen. Emailreklameschilder erlebten ihre meiste Verbreitung in der Zeit von 1900 bis etwa 1965. Grafisch ansprechende Motive sowie der besondere Glanz, den sie durch die Emailierung erhielten, zeichnen sie aus.

Beitrag zur IMT-Blogparade 2013: kulturkonsorten.de/blogparade

Neue Reihe: Ein Dutzend Sammlungsstücke

Neue Blog-Reihe: Ein Dutzend SammlungsstückeMittwoch, 02.01. - Erst kürzlich hat der Finsterwalder Bürgermeister, Jörg Gampe, hervorgehoben, dass die Stadtgespräche aus der kulturellen Landschaft Finsterwaldes nicht mehr wegzudenken seien. Doch das Kaufmannshaus "Ad. Bauer's Wwe." hat durchaus noch mehr zu bieten. In den letzten 13 Jahren hat es sich nicht nur zu einem Veranstaltungsort, sondern auch zu einem privaten Museum entwickelt. Den Kern des Museumsteils bildet die sehr gut erhaltene sieben Meter lange Jugendstilladentheke.

Jedes Jahr kommen durchschnittlich etwa 150 Besucher zum "Tag des offenen Denkmals" und bestaunen die wechselnden Ausstellungen z.B. über Kaffeeröstmaschinen, eine Fotoreportage aus Japan, das ehemalige Orthopädiepersonal oder zuletzt zur Foto- und Filmtechnik. Darüberhinaus gibt es auf Anfrage Sonderführungen durch den alten Warenspeicher des Kaufmannshauses.

Erst durch einen Besuch lässt sich das überraschende Ambiente des Hauses richtig erleben. Vorab soll aber eine neue Reihe in diesem Blog darauf ein wenig neugierig machen. Unter dem Titel "Ein Dutzend Sammlungsstücke" wird jeden Monat ein ganz besonderes Sammlungsstück aus dem Museumsteil an dieser Stelle vorgestellt. Seien Sie gespannt!

Beitrag zur IMT-Blogparade 2013: kulturkonsorten.de/blogparade

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