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Archiv für 2015

Hier finden Sie die Blog-Einträge aus dem Jahr 2015. Viel Spaß beim Lesen!

Stadtgespräch mit Jörg Thadeusz und Überraschungen

Jörg Thadeusz, 2015Sonntag, 15.11. - Regieanweisungen sind meist kurz gehalten und eindeutig. Als zwei Gäste während seiner Sendung einmal verbal aneinander gerieten und Schlimmeres zu befürchten war, wurde Jörg Thadeusz eine schlichte Anweisung von der Regie hoch gehalten: "Mach' was!". Es gelang ihm. In seiner ihm eigenen, ruhigen und immer wieder auch humorvollen Art lenkte er durch diese Sendung wie auch durch alle anderen. Von "Thadeusz" produzierte er in diesem Jahr bereits die 400. Sendung; innerhalb von zehn Jahren.

Ein wunderbarer Anlass, ihn zu den Finsterwalder Stadtgesprächen einzuladen. Denn auch unsere Veranstaltungsreihe feiert in diesem Jahr ein kleines Jubiläum. Nach fünfzehn Jahren war Jörg Thadeusz nunmehr der 25. prominente Gast. Dabei waren die Stadtgespräche zu Beginn durchaus kein Selbstläufer; gleiches galt auch für "Thadeusz". Anhand seines aktuellen Buches mit einer Sammlung von 50 Interviews nahm Thadeusz seine Zuhörer auf eine unterhaltsame Reise durch seine langjährige Veranstaltungsreihe. Die etwa 65 Besucher erfreuten sich an vielen Anekdoten, wenn er von Sendungen z.B. mit Anke Engelke, Marcel Reich-Ranicki, Denis Scheck, Barbara Schöneberger und Martin Schulz berichtete.

Formulierungshilfe für politische FührungskräfteJörg Thadeusz wurde von uns mit einem Exemplar des "FofüpoFü" überrascht, welches er kaum wieder aus der Hand legen wollte. Darüber hinaus hatten wir ein Grußwort von Hatice Akyün, dem letzten Gast der Stadtgespräche, erhalten, das zur großen Freude von Thadeusz verlesen wurde. Für ihn eine bisher einmalige Eröffnung einer Veranstaltung. Ein weiterer Höhepunkt waren die von Torsten Ratke vorbereiteten "Fiesen Sieben". Dabei handelt es sich um eher unbequeme Fragen, die Thadeusz üblicherweise seinen Gästen stellt. Ratke hatte hierfür Fragen aus bisherigen Sendungen zusammengetragen und richtete sie nun an Thadeusz. Alle Fragen wurden bereitwillig von ihm beantwortet.

Mit ihrer wunderbaren Stimme sorgte Ines Herrmann ("Muzik Muzik") aus Dresden erneut für eine gelungene musikalische Einrahmung der Stadtgespräche. Schon im Mai hatte sie die Besucher der Veranstaltung mit ihrer einfühlsamen Musik (Soundcloud) begeistern können. Anlässlich der Jubiläumsveranstaltung klang der Abend erst weit nach Mitternacht aus. Zeitweise war sogar das Finsterwalder Sängerlied aus der Küche von "Ad. Bauer’s Wwe." bis hinein an die alte Ladentheke zu hören. Ein schöner Abschluss eines besonderen Abends.

Lesen Sie mehr über die Veranstaltung mit Jörg Thadeusz: Lausitzer Rundschau » Wochenkurier »

Eine Kutsche, Golo Mann und der Denkmaltag

Sonntag, 13.09. - Diesesmal kam Bernd Große nicht mit der Kutsche. Gemeinsam mit Silke Luplow war er aber unser erster und zugleich überraschendste Besucher am »Tag des offenen Denkmals«. Zu diesem Zeitpunkt war noch nichts von der Fülle und Betriebsamkeit zu spüren, die später folgen sollten. Der letzte Besuch von Große lag fast 16 Jahre zurück. Damals wurde die Fassade des Alten Warenspeichers nach ihrer behutsamen Renovierung eingeweiht. Der Warenspeicher diente knapp 100 Jahre als Lagerort für Waren und Güter des täglichen Bedarfs von »Ad. Bauer's Wwe.«. Dazu gehörte auch roher Kaffee, der unter dem Dach zum Trockenen zwischengelagert wurde, bevor er dann in der hauseigenen Kaffeerösterei verarbeitet wurde.

Großer Andrang herrschte bei der neuen Dauerausstellung zu Golo Mann und seinem ersten Artikel über seine Erfahrungen in Schipkau
Großer Andrang herrschte bei
der neuen Dauerausstellung
zu Golo Mann und seinem
ersten Artikel über seine
Erfahrungen in Schipkau

Zur Eröffnung fuhr Bernd Große im Oktober 1999 mit seinem Pferdegespann vor, und ein Kaffeesack wurde feierlich nach oben gezogen. Zum diesjährigen Denkmaltag berichtete er, dass er seinerzeit große Mühe hatte, das alte Gespann überhaupt durch die schmalen Finsterwalder Straßen zu manövrieren und der Zustand des offenen Kutschenwagens insgesamt doch recht wackelig war. Schon damals besaß Bernd Große einen umfangreichen Fuhrpark an Gespannen und Kutschen in Massen, ganz in der Nähe von Finsterwalde. Inzwischen hat er seine Sammlung mit zahlreichen weiteren Sammlungsstücken aus dem Landleben ergänzt. Auch einige Stücke zur Kaffeegeschichte zählen dazu. Vielleicht ergibt sich daraus eine zukünftige Zusammenarbeit?

Ein mitgebrachtes Zeitungsinserat von Ad. Bauers Wwe. aus dem Jahr 1936
Zeitungsinserat von "Ad.
Bauer's Wwe." aus dem Jahr 1936

In jedem Falle konnten mit Große bereits gemeinsame Pläne für Kutschfahrten zum nächsten Denkmaltag geschmiedet werden. Unser Vorschlag zum diesjährigen »Tag des offenen Denkmals« zur Einrichtung einer regelmäßigen Fahrverbindung zwischen den einzelnen Denkmälern war leider in der Vorbereitung nicht aufgegriffen worden. Dennoch kamen wieder knapp 120 sehr interessierte Besucher an diesem sommerlichen Tag zu uns. Insbesondere die neue Dauerausstellung zu Golo Mann und seinem ersten Zeitungsartikel fand große Beachtung. Fünf gut besuchte Führungen sorgten darüberhinaus für reichlich Enge im Hof des Ring-Cafés und an der alten Ladentheke. Dort gab es natürlich wieder frischen indischen und peruanischen Kaffee von Barcomis’ Kaffeerösterei aus der Kreuzberger Bergmannstraße in Berlin zu kaufen.

Zur großen Freude brachte ein Besucher eine alte Zeitungsanzeige von »Ad. Bauer’s Wwe.« aus dem Jahr 1936 mit. »Urkundlich seit über 100 Jahren im Familienbesitz« wird dort geworben. Inzwischen sind es fast 180 Jahre und die Familiengeschichte geht weiter...

Ort der Vielfalt: Hatice Akyün beim Stadtgespräch

Hatice Akyün, 2015Mittwoch, 13.05. - "Wenn Sie nur ein wenig von dem heutigen Abend mitnehmen und weitertragen, dann würde ich mich schon sehr freuen", sagt Hatice Akyün kurz vor dem Ende der Diskussionsrunde der gerade stattgefundenen Finsterwalder Stadtgespräche. Die neue Ausgabe der langjährigen Veranstaltungsreihe stand ganz im Zeichen der Vielfalt der Kulturen. Einem Motto, dem sich auch der Landkreis Elbe-Elster als "Ort der Vielfalt" verschrieben hat. Beispielhaft dafür steht die gegenwärtige Hilfsbereitschaft der Finsterwalder für zahlreiche in der Stadt lebende Flüchtlinge.

Finsterwalder Stadtgespräche - Ort der Vielfalt (Musterentwurf)Als Gastarbeiterkind wuchs Hatice Akyün mit ihren fünf Geschwistern in Duisburg-Marxloh seit ihrem dritten Lebensjahr auf. Ihrer Freude am Lesen, der Weitsicht Ihres Vaters sowie ein wenig dem Zufall verdankte sie schließlich eine erfolgreiche Integration. Akyün ist fest davon überzeugt, dass eine Integration dann gelingen kann, wenn Kinder frühzeitig die deutsche Sprache erlernen. Sie selbst las in ihrer Kindheit zahlreiche klassische Bücher, darunter Grimms Märchen. Im Laufe der Zeit entwickelte sie den Ehrgeiz, die deutsche Sprache fehlerfrei zu beherrschen. Bei ihren späteren journalistischen Tätigkeiten brachte ihr das oftmals die Schlusskorrektur von Artikeln ein, da sie sich in Satzaufbau und Grammatik sicherer zeigte als manche Kollegen mit den Namen "Müller" oder "Meier".

Wenn sie heute mit den Worten "Sie sprechen aber gut Deutsch" angesprochen wird, antwortet Akyün meist schlagfertig: "Sie aber auch!". Überhaupt verspüren die knapp 60 Gäste im Alten Warenspeicher von "Ad. Bauer's Wwe." an diesem Abend eine besonders große Freude des Gastes bei der Lesung, die aus einer Sammlung der besten Beiträge aus der Kolumne des Berliner "Tagesspiegel" bestand. Mit viel Witz sowie einer Portion Selbstironie sind zahlreiche Episoden über das Alltagsleben ihrer Mitmenschen mit und ohne Migrationshintergrund entstanden. Und natürlich darf ein türkisches Sprichwort ihres Vaters nicht fehlen, mit dem die Kolumne bis auf wenige Ausnahmen immer endete. Zahlreiche Leserbriefe hat Akyün während dieser Zeit erhalten. Darunter viel Zuspruch, aber auch kritische Rückmeldungen und selbst Morddrohungen. Mit dem Ende der Kolumne im vergangenen Dezember ist sie nunmehr frei für neue Projekte. So zum Beispiel für die Verfilmung ihres Buchs "Ich küss Dich, Kismet" in diesem Jahr.

Musikalisch eingerahmt wurde die Veranstaltung durch die Sängerin und Liedschreiberin Ines Herrmann ("Muzik Muzik") aus Dresden. Mit ihrer grossartigen Stimme vermochte sie ihren Teil dazu beizutragen, dass sich diesesmal alle Anwesenden besonders wohl fühlten. Herrmann wird daher auch beim kommenden Stadtgespräch-Jubiläum am 07.11. wieder auftreten. Prominenter Gast der 25. Veranstaltung ist dann der RBB Fernseh- und Rundfunk-Journalist Jörg Thadeusz.

Lesen Sie mehr über die Veranstaltung mit Hatice Akyün: Lausitzer Rundschau »

Pressetext und Plakat zur Lesung mit Hatice Akyün

Montag, 06.04. - Bereits in vier Wochen finden die 24. Finsterwalder Stadtgespräche mit der Schriftstellerin und Journalistin Hatice Akyün statt. Wir freuen uns sehr, dass zahlreiche Plätze für die Veranstaltung bereits vergeben sind. Weitere Plätze können entweder online reserviert oder die Karten direkt beim Sängerstadtmarketing e.V. Markt 1 in 03238 Finsterwalde erworben werden. Erstmals wird es bei diesen Stadtgesprächen Musikalisches von dem Dresdner Liedermacher-Duo "Muzik Muzik" geben. Wer Hatice Akyün zuvor sehen möchte, kann sich die RBB-Sendung von Jörg Thadeusz aus dem vergangenen Jahr ansehen. mehr »

Wie gewohnt gibt es vorab neben einem Plakat einen kurzen Pressetext mit weiteren interessanten Informationen zur Veranstaltung. Der Pressetext wird an Redaktionen verschiedener Tageszeitungen (u.a. Lausitzer Rundschau, Tagesspiegel, Berliner Morgenpost) verschickt und im Internet veröffentlicht (openPR, pressemitteilung). In der Lesung mit Hatice Akyün geht es um ihr zuletzt erschienenes Buch "Verfluchte anatolische Bergziegenkacke" mit einer Sammlung der besten Beiträgen aus ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Heimat" im "Tagesspiegel". Zum Pressetext »

Zum Denkmaltag 2015 mit neuer Dauerausstellung

Dienstag, 03.02. - Nach den Rückblicken zum Jahresende folgen meist die Ausblicke auf das neue Jahr. Da dieses Jahr aus mehreren Gründen besonders spannend zu werden scheint, möchten wir uns diesem Brauch ausnahmsweise ebenfalls anschließen. Denn gleich zwei Jubiläen stehen an: Seit 15 Jahren beteiligt sich das Kaufmannshaus "Ad. Bauer's Wwe." am europaweiten "Tag des offenen Denkmals" und eben solange finden die "Finsterwalder Stadtgespräche" an gleicher Stelle statt.

Ankündigung der Lausitzer Rundschau zum ersten Denkmaltag in FinsterwaldeBekanntermaßen hat Finsterwalde eine große Vielzahl erhaltenswerter und interessanter Denkmale. Um diesen die gebührende Beachtung zu schenken und dabei auch Verborgenes zu entdecken, schlugen wir im Februar 2000 in einem Brief an den damaligen Bürgermeister Johannes Wohmann vor, dass sich Finsterwalde erstmals am Denkmaltag beteiligt. Zahlreiche Gespräche hatten uns im Vorfeld dazu ermutigt. Insbesondere war ein großes Interesse festzustellen, "endlich einmal Denkmäler besichtigen zu können, die sonst für die Allgemeinheit verborgen sind. Hierbei fallen [...] z.B. der Kirchturm der St. Trinitatis Kir­che, das Schloss und dessen Archive oder auch der Wasserturm ein. Vielleicht ist ja eine solche Be­sichtigung auch im Rahmen einer kundigen Führung möglich." Gleichzeitig boten wir selbst Führungen im alten Warenspeicher von "Ad. Bauer's Wwe." an. Erst zwei Jahre zuvor war dort durch einen Zufall unsere alte Jugendstil-Ladentheke gefunden worden.

Seit dem 10. September 2000 findet nunmehr der "Tag des offenen Denkmals" jedes Jahr in Finsterwalde mit wechselnden Gebäuden und Teilnehmern statt. Erfreulich ist die rege Teilnahme der Finsterwalder sowie zahlreicher auswärtiger Besucher. Natürlich sind die Besucherzahlen vom Wetter abhängig, jedoch machen sich jedes Jahr etwa 100-300 Besucher auch auf den Weg zu uns. Großer Dank gilt dem Sammler und Fotografen Jürgen Schlinger für seine Unterstützung und den Sonderausstellungen in den letzten drei Jahren bei uns im Hause.

Bei allem dankenswerten Engagement der Stadt Finsterwalde würden wir uns wünschen, dass zukünftig die Verbindung zwischen den verschiedenen Denkmalen weiter verbessert wird. Beispielsweise durch eine Fahrverbindung "Von Denkmal zu Denkmal" oder die Verwendung eines sogenannten "Denkmalpasses" wie in Bautzen. In diesem Pass sind alle beteiligten Denkmale aufgeführt und können vom Besucher bei der Besichtigung abgestempelt werden. Sind mehr als zehn Stempel im Denkmalpass enthalten, kann an einer Preisverlosung teilgenommen werden. Eine schöne Idee und Motivation, die leider in Finsterwalde bisher nicht aufgegriffen wurde. Es gilt, die Denkmale erkennbar miteinander zu verbinden.

Als Dichtersohn unter Bergarbeitern - Golo Manns Erfahrungen und Erlebnisse im Braunkohlenbergwerk von SchipkauZum diesjährigen Denkmaltag am 13. September 2015 soll bei uns endlich eine Ausstellung eine feste Bleibe finden, die bislang nur zeitweise zu sehen war: "Als Dichtersohn unter Bergarbeitern". Eine kurze Episode aus dem Leben des späteren Historikers und Publizisten Golo Mann führte ihn nach Zschipkau (ab 1937 Schipkau). Dort absolvierte er im Sommer 1928 für wenige Monate ein Praktikum bei den Niederlausitzer Kohlenwerken. Vor Beginn des Wintersemesters in Berlin wollte er das Leben und die Arbeit der Menschen in einem Braunkohlenbergwerk kennenlernen.

Seine Eindrücke schilderte Golo Mann einige Monate später im Berliner "Acht-Uhr-Abendblatt". Der weitgehend unbekannte Zeitungsartikel erschien in zwei Folgen im Januar 1929 und wurde von uns im Rahmen einer Ausstellung zusammen mit einigen anderen Exponaten gezeigt. Nach dem Umbau eines zusätzlichen Ausstellungsraumes soll diese Episode nun wieder zugänglich sein. Dabei wird das Resümee Golo Manns, wonach er die Haltung seiner Bergarbeiter-Kollegen aufgrund der sehr schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen weitaus radikaler erwartet hatte, eine wichtige Rolle spielen. Zusätzlich wird der Besucher erstmals Auszüge aus einem Brief-Wechsel zwischen unserer Familie und Golo Mann zu Gesicht bekommen. Seien Sie gespannt auf den neuen Ausstellungsraum!

Das Motto des Denkmaltages lautet übrigens in diesem Jahr: "Handwerk, Technik, Industrie" und passt somit durchaus zu Golo Manns kurzer Episode in der Niederlausitz. Über das Jubiläum der "Finsterwalder Stadtgespräche" wird ein weiterer Blogbeitrag an gleicher Stelle berichten.

Lesen Sie mehr zum "Tag des offenen Denkmals": Lausitzer Rundschau »

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