Zwölf SammlungsstückeNeu


Reklamationsbrief

Papier,
29,7cm x 21cm, 1981

Foto: © Sebastian Schiller - Im Umgang mit einem Kunden bedarf es einer gewissen Sensibilität; insbesondere wenn dieser unzufrieden ist. "Voraussetzungen für [das Entgegennehmen von Reklamationen] sind Menschenkenntnis, Takt und eine große Geduld sowie fachliche Qualifikation", ist hierzu in der Fach- und Verkaufskunde für Auszubildende im Schuheinzelhandel von 1987 nachzulesen.

Einige Geduld musste wohl auch der Schreiber dieses Sammlungsstückes, eines Reklamationsbriefes, aufbringen. In Zeiten, in denen Telefonanschlüsse eine Seltenheit und an andere Kommunikationswege noch nicht zu denken war, gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder persönliches Erscheinen oder den Postweg. Dabei geht es eigentlich nur um die Klärung der einfachen Frage, ob die orthopädischen Schuhe inzwischen fertig gestellt sind. Empfänger der Reklamation war die PGH Orthopädie (später Ring-Orthopädie GmbH) Finsterwalde. Seit 1960 fertigte die PGH orthopädische Maßschuhe, noch heute zeugen die etwa 1.000 Schuhmacherleisten in unserem Haus davon.

"Es müsste doch genügen, wenn ich mich schriftlich melde.", schreibt der Kunde. Darauf wurde jedoch nicht reagiert, so dass er sich einen Urlaubstag nahm und sich aus Hörlitz (zur dieser Zeit Gemeinde von Senftenberg) auf den Weg nach Finsterwalde machte. Hier wurde ihm offenbar gesagt, dass ein Brief nicht ausreiche, "ich sollte mich erst einmal zeigen, Sie könnten nicht wissen, ob ich noch lebe". "Nun, ich lebe noch", stellt der Kunde in seiner Reklamation fest, und er werde sich in vier Wochen wieder melden. Das Schreiben endet dann aber versöhnlich mit den Worten: "Ansonsten war ich mit den Schuhen immer zufrieden".
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